Vor einer möglichen Rückenoperation möchten Sie verstehen, was der Eingriff bewirken kann und welche Risiken Sie eingehen. Dazu brauchen Sie eine Fachperson, die Ihre Beschwerden sorgfältig abklärt und ihre Empfehlung nachvollziehbar begründet.
30. September 2026
News
Ein guter Wirbelsäulenchirurg bringt die passende Qualifikation und Erfahrung mit. Er bespricht die sinnvollen Behandlungsmöglichkeiten, nimmt Ihre Fragen ernst und erklärt, was Sie realistisch erwarten können. Einige dieser Punkte lassen sich vor dem ersten Termin prüfen. Andere zeigen sich erst in der Beratung.
Was macht ein Wirbelsäulenchirurg?
Wirbelsäulenchirurginnen und -chirurgen behandeln Erkrankungen und Verletzungen der Wirbelsäule. Dazu gehören etwa Bandscheibenvorfälle, Verengungen des Spinalkanals, Instabilitäten und Wirbelbrüche. Auch anhaltende Beschwerden nach einer früheren Rückenoperation können eine spezialisierte Abklärung erfordern.
Die Beratung umfasst konservative und operative Behandlungsmöglichkeiten. Ein Termin führt deshalb nicht automatisch zu einer Operation. Je nach Ursache der Beschwerden kommen beispielsweise Physiotherapie, Schmerztherapie oder andere konservative Behandlungen infrage.
Worauf Sie bei der Wahl achten sollten
Facharzttitel und Spezialisierung prüfen
In der Schweiz gehört die Wirbelsäulenchirurgie zur Orthopädischen Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates sowie zur Neurochirurgie. Zusätzlich zum entsprechenden Facharzttitel gibt es den interdisziplinären Schwerpunkt Wirbelsäulenchirurgie (SGNC und SO).
Achten Sie auf einen anerkannten Facharzttitel und eine dokumentierte Spezialisierung. Angaben zum Arztdiplom und zu anerkannten Facharzttiteln können Sie im offiziellen Medizinalberuferegister (MedReg) des Bundes nachschlagen. Informationen zu zusätzlichen Schwerpunkten finden sich im Ärzteprofil und bei der zuständigen Fachgesellschaft. Bleibt eine Angabe unklar, fragen Sie in der Praxis nach.
Erfahrung mit Ihrer Erkrankung und dem geplanten Eingriff
Fragen Sie, ob Ihr Krankheitsbild regelmässig behandelt wird. Falls eine Operation empfohlen wird, zählt die Erfahrung mit dem konkreten Verfahren. Eine Bandscheibenoperation und ein erneuter Eingriff an einer bereits operierten Wirbelsäule stellen unterschiedliche Anforderungen.
Die Frage «Wie häufig führen Sie diesen Eingriff durch?» ist deshalb sinnvoll. Fragen Sie auch, welche Ergebnisse zu erwarten sind und welche Komplikationen auftreten können. Eine Fallzahl allein beantwortet noch nicht, ob die Operation zu Ihrer Situation passt.
Beschwerden, Untersuchung und Bilder werden gemeinsam beurteilt
Eine sorgfältige Abklärung beginnt mit Ihrer Krankengeschichte: Seit wann bestehen die Beschwerden? Strahlen die Schmerzen aus? Gibt es Einschränkungen beim Gehen oder bei der Arbeit? Was wurde bisher versucht? Dazu kommt eine körperliche Untersuchung, bei Bedarf mit Prüfung von Kraft, Gefühl und Reflexen.
Ein MRT kann wichtige Hinweise liefern. Sichtbare Veränderungen kommen allerdings auch bei Menschen ohne Schmerzen vor. Für eine Behandlungsempfehlung muss deshalb geklärt werden, ob der Befund Ihre Beschwerden tatsächlich erklärt.
Lassen Sie sich diesen Zusammenhang erläutern. Nach dem Gespräch sollten Sie wissen, welche Ursache vermutet wird, worauf diese Einschätzung beruht und ob noch Untersuchungen nötig sind.
Behandlungsmöglichkeiten und Dringlichkeit werden begründet
Wenn es Ihre Erkrankung erlaubt, gehören die Möglichkeiten ohne Operation ins Gespräch. Dabei sollten auch bisherige Therapien berücksichtigt werden: Was wurde durchgeführt, über welchen Zeitraum und mit welchem Ergebnis?
Bei einem Bandscheibenvorfall kann beispielsweise eine nicht operative Behandlung infrage kommen. Mehr dazu lesen Sie im Beitrag Kann ein Bandscheibenvorfall ohne Operation heilen?.
Wird ein Eingriff empfohlen, brauchen Sie eine Erklärung für den Zeitpunkt. Kann zunächst weiterbehandelt oder beobachtet werden? Welche Folgen hätte ein Aufschub? Wie lange Abwarten vertretbar ist, hängt vom Krankheitsbild und den Befunden ab. Bei Warnzeichen wie neuen Lähmungen ist eine sofortige Abklärung erforderlich.
Operationsziel, Risiken und Nachsorge sind verständlich
Das Ziel eines Eingriffs sollte konkret benannt werden. Bei einem Bandscheibenvorfall kann es etwa darum gehen, einen bedrängten Nerv zu entlasten. Fragen Sie, welche Ihrer Beschwerden sich dadurch voraussichtlich bessern lassen und welche möglicherweise bestehen bleiben.
Zur Aufklärung gehören die Risiken des Eingriffs, mögliche Alternativen und die Erholung danach. Je nach Verfahren bestehen beispielsweise Risiken für Blutungen, Infektionen oder Nervenverletzungen. Lassen Sie sich erklären, was für Sie persönlich relevant ist. Auch Ihre Vorerkrankungen und Lebensumstände sollten besprochen werden. Eine Erfolgsgarantie lässt sich seriös nicht geben.
Falls ein minimalinvasives Verfahren vorgeschlagen wird, lassen Sie sich erklären, warum es für Ihren Befund geeignet ist. Auch solche Eingriffe haben Risiken.
Klären Sie zudem, wer die Kontrollen übernimmt, wann Physiotherapie oder Rehabilitation sinnvoll sein können und an wen Sie sich bei Problemen wenden. Für Ihre Planung sind auch die voraussichtlichen Einschränkungen im Alltag und bei der Arbeit wichtig.
Wann ist eine Zweitmeinung sinnvoll?
Vor einem geplanten, nicht dringlichen Eingriff kann eine Zweitmeinung helfen, die Empfehlung besser einzuordnen. Das gilt besonders, wenn Sie die Begründung noch nicht verstehen oder zwischen mehreren Behandlungen entscheiden müssen.
In der Schweiz haben Sie das Recht, dafür eine andere Gesundheitsfachperson Ihrer Wahl aufzusuchen. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) erläutert dieses Recht und empfiehlt, die Kostenübernahme vorab mit der Krankenversicherung zu klären.
Bringen Sie zur Zweitmeinung vorhandene Bilder und Berichte mit. Fragen Sie die zweite Fachperson, wie sie den Befund, die Behandlungsmöglichkeiten und die Dringlichkeit beurteilt. Bei einem medizinischen Notfall darf die zusätzliche Beratung eine notwendige Versorgung nicht verzögern.
So bereiten Sie sich auf den Termin vor
Nehmen Sie vorhandene Untersuchungsberichte, Röntgen- oder MRT-Aufnahmen und eine aktuelle Medikamentenliste mit. Hilfreich ist auch eine kurze Übersicht der bisherigen Behandlungen und ihrer Wirkung.
Beschreiben Sie, was Sie im Alltag einschränkt und was Sie durch eine Behandlung wieder erreichen möchten. «Ich kann nur noch kurze Strecken gehen» ist beispielsweise konkreter als «Ich möchte wieder fitter sein».
Diese Fragen können Ihnen im Gespräch helfen:
Welche Ursache erklärt meine Beschwerden, und wie sicher ist diese Einschätzung?
Welche Behandlungsmöglichkeiten habe ich, und was spricht jeweils dafür oder dagegen?
Was passiert, wenn ich zunächst abwarte? Welche Veränderungen muss ich melden?
Falls Sie eine Operation empfehlen: Welches Ziel hat sie, und warum wählen Sie dieses Verfahren?
Welche Risiken sind in meinem Fall besonders relevant?
Wie sehen Erholung und Nachsorge aus, und wer ist bei Problemen erreichbar?
Sie müssen Fachbegriffe nicht sofort verstehen. Bitten Sie um eine Erklärung, wenn etwas unklar bleibt, und notieren Sie sich die nächsten Schritte.
Wann sollten Sie genauer nachfragen?
Haken Sie nach, wenn ein Eingriff empfohlen wird, ohne dass der Zusammenhang zwischen Ihren Beschwerden, der Untersuchung und den Bildern erklärt wird. Dasselbe gilt bei weitreichenden Erfolgsversprechen oder wenn sinnvolle Alternativen unerwähnt bleiben.
Auch Zeitdruck braucht eine nachvollziehbare medizinische Begründung. Eine rasche Behandlung kann notwendig sein; die Dringlichkeit sollte Ihnen jedoch verständlich erklärt werden.
Bei diesen Warnzeichen sofort ärztliche Hilfe suchen
Suchen Sie bei Rückenbeschwerden sofort ärztliche Hilfe, wenn neue oder zunehmende Lähmungserscheinungen, neue Taubheitsgefühle im Schritt- oder Gesässbereich oder Kontrollverlust über Blase oder Darm auftreten. Das gilt auch, wenn Sie plötzlich nicht mehr Wasser lassen können. Warten Sie damit nicht auf einen regulären Sprechstundentermin. Wenden Sie sich unmittelbar an eine Notfallstelle; falls erforderlich, rufen Sie in der Schweiz den Sanitätsnotruf 144.
Wann ein Eingriff bei einem Bandscheibenvorfall sinnvoll sein kann, erläutern wir im Beitrag Muss ein Bandscheibenvorfall operiert werden?.
Wirbelsäulenchirurgie bei SpinaMed in Muri
Bei SpinaMed in Muri AG betreut Dr. med. Sina Havakeshian Patientinnen und Patienten mit Wirbelsäulenerkrankungen. Er ist Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparats mit Spezialisierung auf Wirbelsäulenchirurgie und interventionelle Schmerztherapie. Als Wirbelsäulenchirurg ist er unter anderem Belegarzt an der Hirslanden Klinik Aarau und am Spital Muri.
Einen Überblick über das Behandlungsspektrum finden Sie auf unserer Seite Behandlungen. Wenn Sie Ihre Beschwerden abklären lassen oder eine bestehende Behandlungsempfehlung besprechen möchten, können Sie einen Termin vereinbaren.

